Putlitz 2008

Sömmerda 2014

Fränkischer Kurzgeschichtenpreis 2017

 

 

 

Auszeichnungen

bei folgenden literarischen Wettbewerben:


2000 „Der schönste und spannendste Bahn- & Bike-Reisebericht”


2008 Putlitzer-Preis

2009 Stadtinszenierung Esslingen

2011 Bücher-Wiki

2012 ALFA-Multimedia-Preis

2013 Autorenpodium Sömmerda

2014 Gedicht des Monats März des Literarischen Arbeitskreises Dorsten


2014 Autorenpodium Sömmerda

2015 Autorenpodium Sömmerda

2015 Ralf-Bender-Krimi-Preis


2016 Dichterwettstreit „Worte bauen Brücken" der Villa Katharina und des literarischen Salons Bingen


2017 Autorenpodium Sömmerda


2017 Fränkischer Kurzgeschichtenpreis


2017 Ralf-Bender-Krimi-Preis


2019 Autorenpodium Sömmerda

Lesung mit Hund

Einige Jahre hatte ich mich als Mitwirkende am „Sömmerdaer Autoren-Podium“ beteiligt. Das ist eine Veranstaltung, die bis heute alljährlich neu für den Monat September ausgeschrieben wird. Verantwortlich zeichnet der Verein „Schutzbund der Senioren und Vorruheständler Thüringen“.


Durch das Podium lernte ich Elsa kennen – eine Frau, die einst mit Leib und Seele Lehrerin war und mir bald eine gute, aufgeweckte Freundin wurde. Unser Ruhestand bescherte uns eine ehrenamtliche Aufgabe, die wir mit Begeisterung annahmen: Wir wurden die Podiums-Verantwortlichen. Inzwischen zählt unsere Veranstaltung mit ihren jüngeren und älteren Nachwuchsautoren zu einem der jährlichen Höhepunkte der Thüringer Kulturwochen. Aus allen Richtungen unseres Landes kommen Ende September schreibfreudige Menschen jeder Altersgruppe in das kleine Städtchen Sömmerda, um ihre Werke vorzustellen. Die jüngsten Teilnehmer waren Schüler einer 5. Klasse, der älteste schreibende Senior war über 90 Jahre. Das Podium liefert uns immer wieder Stoff für neue heitere Geschichten, die wir vielleicht einst unseren Enkeln erzählen werden.


Ein aufgeweckter, gutaussehender junger (sic!) Autor, von Beruf Forstingenieur und diplomierter Umweltwissenschaftler, blieb von seinem ersten Auftritt an in unserer Erinnerung. Wir wussten, er war ein guter Geschichtenschreiber, sehr tierlieb, hatte daheim einen sprachbegabten Graupapagei, hielt sich gerne im Wald auf und engagierte sich für den Naturschutz. deshalb nannten wir ihn liebevoll den „Förster“. Und dieser Bursche hat mich tatsächlich ein wenig hinters Licht geführt ... Ich bemerkte, wie er, bevor er von seinem Sitzplatz zum Podium schritt, seine kleine Reisetasche mit dem Fuß vorsichtig unter den Tisch schob. Er rezitierte, er las, er erzählte und schmunzelte schelmisch – alles ohne Manuskript. Freihändig. Mit Charme. Unter reichlichem Beifall schritt er eiligst zu seinem Platz zurück. Es sah aus, als hielte er, dort angekommen, Selbstgespräche. Ein leiser Quiekser erreichte mein Ohr. Elsa saß gelassen neben mir, nickte lächelnd und blickte zu Boden. Der „Förster“ kramte emsig in seiner Tasche unterm Tisch.


Nach der Veranstaltung gingen wir mit einigen Teilnehmern ins Stadt-Café und alle bestellten Rieseneisbecher mit Sahne. Nur der „Förster“ orderte Wiener Würstchen. Eines der dünnen Dinger schob er in die Reisetasche. Proviant für die Rückreise? Ich reichte ihm die Papierserviette, die er jedoch wieder auf den Tisch legte. Er öffnete vorsichtig den Reißverschluss der Tasche und meinte: „Die Dame mag keine Papierservietten.“ Eine kleine Chihuahua-Hündin leckte ihm die Hand. Der Förster reichte das zweite Würstchen. „Entschuldigung, Lesung mit Hund war auch für mich neu. Ich musste sie aber mitnehmen; sie bleibt ungerne allein. Und meine Frau ist gerade verreist ...“


„Da können wir wohl froh sein, dass Du keinen Bernhardiner hast!“, lachten wir alle zusammen. „Das wäre ja fast eine schöne Geschichte“, meinte er. „Vielleicht schreibe ich die nächstes Jahr!“


(Aus Mayer, Dagmar: Die Skorpionfrau - Im dritten Frühling. Red Sky Edition. Berlin, 2019. ISBN 978-3-929792-02-7) 

Esslingen 2009